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Unser Grünkaffee-Einkaufsmodell

Der klassische Weg, Kaffee einzukaufen, führt über viele Zwischenhändler*innen. Die Preise sind tief und die Produzierenden (Kaffeebäuerinnen und Kaffeebauern), welche die härteste Arbeit leisten und oft unter schlechten Bedingungen arbeiten, erhalten von diesem ohnehin schlechten Preis nur einen Bruchteil – nicht selten zu wenig, um damit ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.


Unser Modell

Wir investieren das uns zur Verfügung stehende Geld gerne in fairen Handel und in eine nachhaltige Entwicklung in den Anbaugebieten von Kaffee. Statt Geld an überholte Labels zu bezahlen, hinter denen wir nicht zu 100% stehen können, haben wir ein Modell entwickelt, das für uns Sinn ergibt und laufend weiterentwickelt wird. Zentral sind dabei die folgenden Faktoren:


  • Green Coffee Requirements: Wir haben eine Reihe von Mindest-Anforderungen gesetzt, die bei der Produktion, Verarbeitung und dem Handel aller Kaffees eingehalten werden müssen. Diese decken verschiedenste Bereiche ab, zentral sind dabei u.a. der respektvolle Umfang mit der Umwelt, faire Arbeitsbedingungen für alle Beteiligten und das Ablehnen von Diskriminierung jeglicher Art. Das Einhalten der Green Coffee Requirements ist für uns eine Bedingung für das Zustandekommen eines Kaffee-Kaufvertrages.
  • Mindestpreis: Wir bezahlen beim Einkauf von Grünkaffee immer mindestens das Fairtrade-Minimum, in aller Regel jedoch mehr – oft ein Mehrfaches davon.
  • Handel auf Augenhöhe: Wir setzen alles daran, dass wir unsere Machtposition im Markt gegenüber den Produzierenden nicht ausnutzen. Preise werden nicht von uns als Käufer, sondern von Produzierenden und Kooperativen gesetzt und nur verhandelt, wenn es einen konkreten Grund dafür gibt.
  • langfristige Beziehungen: Wir streben immer eine langfristige Zusammenarbeit mit den Produzierenden an und kaufen Jahr für Jahr Kaffees von denselben Farmen, sofern es uns möglich ist. Weiter pflegen wir den Kontakt zu den Produzierenden aktiv – mit Reisen vor Ort, Telefon, E-Mail und Messenger-Apps.
  • Umsatz-Prozent: Mindestens 1% von unserem Umsatz geht zurück in die Kaffee-Anbauländer. Selbstverständlich versteht sich das zusätzlich zu den Basis-Preisen, die wir für unsere Kaffees bezahlen. Ein Teil des Prozentes dient als Qualitäts-Bonus und wird auf den Preis geschlagen, den wir für den Kaffee bezahlen. Damit erhöhen wir die bereits hoch angesetzten Preise oft um über 5%. Der zweite Teil wird in verschiedene soziale und nachhaltige Projekte investiert.
  • Transparenz: Wir möchten verstehen und sehen, von wo unsere Produkte stammen. Deshalb ist es für uns zentral, Einsicht in Preise, Arbeits- und Umweltbedingungen bei der Produktion zu haben. Gleichzeitig kommunizieren wir ausgiebig und offen.
  • direkte Handelswege: Wir kaufen Kaffees auf dem direktesten sinnvollen Weg, ohne dass diese unnötigerweise über mehrere Zwischenhändler*innen gehandelt werden.


Produktionskosten

Aktuelle Studien (z.B. von UC Davis/WWU Münster/ICO oder von Caravela Coffee) haben ergeben, dass sich die durchschnittlichen Produktionskosten für ein Pfund Grünkaffee auf $1.05-1.40 belaufen. Dieser Wert schwankt stark je nach Land, Region, Grösse der Farm und anderen Faktoren. Weiter ist die von Familienmitgliedern geleistete, unbezahlte Arbeit auf Kaffeefarmen in Studien schwierig zu berücksichtigen. Auch wäre es erstrebenswert, dass nicht nur die absolut notwendigen Produktionskosten gedeckt werden. Stattdessen sollten die Produzierenden auch eine gewisse finanzielle Sicherheit und Spielraum für benötigte Investitionen haben – oder etwa ein durch das Wetter bedingtes schlechtes Erntejahr ohne finanzielle Sorgen überstehen können.


Erzielen die Produzierenden einen höheren Preis für ihren Kaffee, motiviert das auch, guten Kaffee zu produzieren. Auch sind diese, wenn sie eine gewisse finanzielle Sicherheit haben, viel eher in der Lage, beim Anbau und der Verarbeitung ihres Kaffees Optimierungen vorzunehmen oder auch gewisse Risiken einzugehen, um durch Experimente die Qualität ihres Kaffees oder den Ertrag ihrer Bäume verbessern zu können.


Fairtrade-Preis

Als Fairtrade-Preis bezeichnen wir das Minimum, das man als Fairtrade-zertifiziertes Unternehmen für eine Handelsware bezahlen muss. Er liegt pro Amerikanisches Pfund (lb) Arabica-Rohkaffee – seit 2011 unverändert – bei $1.35 («natural»-Verarbeitung) bzw. $1.40 («washed»-Verarbeitung). Hinzu kommt jeweils ein «Fairtrade-Premium» in Höhe von $0.20, was insgesamt $1.55 (washed) bzw. $1.60 (natural) ergibt. Das entspricht ungefähr $3.40 bzw. $3.53 pro Kilogramm.


Der Fairtrade-Mindestpreis ist für unsere Ansprüche zu tief angesetzt. Noch tiefer war während den letzten Jahren meistens der «c price» für Arabica-Kaffee an der Börse. Im April/Mai 2019 sank dieser auf ein Rekordtief von $0.87/lb – der tiefste Wert seit 2005. Im 2021 stieg der c price zwar auf schon lange nicht mehr erreichte Werte an. Er ist äusserst volatil und bietet damit nicht die benötigte Sicherheit.


Wir setzen grundsätzlich nicht auf die Fairtrade-Zertifizierung – mehr dazu weiter unten –, orientieren uns aber zu einem gewissen Grad am Fairtrade-Mindestpreis. Unsere Grundregel im Bezug auf den Einkaufspreis ist, dass wir für alle Kaffees immer mehr bezahlen, als der höhere der beiden Fairtrade-Mindestwerte inkl. Fairtrade-Premium, also mehr als $1.60/lb. In aller Regel bezahlen wir nicht nur ein bisschen, sondern deutlich mehr als das – nicht selten ein Mehrfaches davon.

Auf dieser Seite bezeichnen wir diesen Betrag von $1.60/lb der Verständlichkeit zuliebe als «Fairtrade-Mindestpreis» oder «Fairtrade-Minimum».


FOB-Preis

Die oben erwähnten Preise beziehen sich jeweils auf den «FOB-Preis». FOB steht für «free on board» und ist ein «Incoterm», ein Standard im internationalen Warenhandel, der gewisse Regeln vorgibt. Im Grunde bedeutet FOB, dass Risiken und Kosten im Zusammenhang mit der gekauften Ware auf die kaufende Partei übergehen, sobald die Ware auf das Schiff verladen wird.


Somit sind im FOB-Preis nebst den Kosten für den Rohkaffee an sich bspw. auch alle Kosten für die Verarbeitung des Kaffees und das Abfüllen in Säcke enthalten sowie auch die Kosten für den Transport bis zum Hafen.

Ein ausreichend hoher FOB-Preis ist die Basis für eine faire Bezahlung. Da die Bezahlung nur selten direkt an die Produzierenden erfolgt, sagt der FOB-Preis aber nicht zwingend etwas darüber aus, wie viel Geld tatsächlich bei diesen landet. Daher sind direkte Handelswege, langfristige Vertragspartner und der direkte Kontakt zu den Produzierenden wichtig.

Der FOB-Preis ist dennoch ein guter Wert, mit dem sich Preise verschiedener Kaffees bis heute relativ gut vergleichen lassen.


Farmgate-Preis

Ein anderer Wert ist der «Farmgate-Preis», der aussagt, wie viel für einen Kaffee zu dem Zeitpunkt bezahlt wurde, zu dem dieser die Farm verlassen hat. Da Kaffee die Farm nicht immer im gleichen Zustand verlässt, lässt der Farmgate-Preis viele Fragen offen. Grundsätzlich kann unterschieden werden zwischen drei Arten von Farmgate-Preisen:

  • «coffee cherries»: Die Kaffeebeeren werden auf der Farm gepflückt und dann direkt so weiterverkauft. Die Farm benötigt keinerlei Equipment zur Verarbeitung von Kaffee und auch kein vertieftes Wissen dazu, da diese nach dem Verkauf woanders erfolgt. Weil es einerseits mehrere Kilogramm Beeren braucht, um ein Kilogramm Rohkaffee herzustellen, und andererseits Arbeit, Risiko und Equipment für die Verarbeitung nicht bei der Farm liegen, ist der Preis hier am tiefsten. Ein Beispiel aus Äthiopien: $0.35 für 1 Pfund (lb) coffee cherries
  • «parchment coffee»: Der Kaffee wird auf der Farm verarbeitet und getrocknet. Die letzte, gelb-bräunliche Schicht, die den grünen Rohkaffee ummantelt, wird jedoch noch nicht weggemahlen. Die Farm benötigt Equipment zur Verarbeitung von Kaffee, jedoch nicht für diesen letzten Schritt. Ein Beispiel aus Peru: $1.06 für 1 Pfund (lb) parchment coffee

  • «green coffee»: Der Kaffee wird komplett verarbeitet, bevor er von der Farm verkauft wird. Damit wird der höchste Preis erzielt, jedoch ist auch die meiste Arbeit involviert und es wird am meisten Equipment benötigt. Ein Beispiel aus Guatemala: $2.32 pro Pfund (lb) green coffee


Verlässt der Kaffee die Farm als Beere oder als parchment coffee, fallen danach noch mehr oder weniger Verarbeitungsschritte an, so dass danach noch deutlich mehr Kosten anfallen. Wird er bereits als Grünkaffee von der Farm verkauft, ist die Differenz zum FOB-Preis meistens nicht mehr so gross. Kosten für Logistik, Lagerung, Transport bis zum Hafen sowie für den Export fallen aber auch dann noch an.


Preise in unserem Online-Shop lesen

Auf der Detailansicht jedes Kaffees in unserem Online-Shop ist ersichtlich, wie viel wir für diesen bezahlt haben und wieviel das in Relation zum Fairtrade-Mindestpreis ist.

Beispiel:

Haben wir für einen Kaffee $5/lb bezahlt, entspricht das 3.125x dem Fairtrade-Mindestpreis inkl. Premium = 313% (gerundet).

Der Balken oberhalb zeigt den gesamten Preis an, wovon der weisse Teil dem Fairtrade-Minimum entspricht und der grüne den Anteil über dem Fairtrade-Minimum darstellt.


Labels

Es gibt zahlreiche Labels, mit welchen den Konsument*innen das ein oder andere Versprechen gemacht wird. Die populärsten sind das Fairtrade- sowie verschiedene Bio-Labels. Weitere bei Kaffeeprodukte verbreitete sind etwa UTZ oder Rainforest Alliance. Einerseits helfen solche Labels den Konsument*innen, sich beim Einkaufen diejenigen Produkte auszusuchen, welche gewissen Anforderungen entsprechen sollten. Andererseits sind diese Anforderungen bei den verschiedenen Labels sehr unterschiedlich und für die Konsument*innen oft nicht ganz nachvollziehbar. Bei vielen Labels fehlen wichtige Kriterien für eine nachhaltige Produktion. Arbeitsbedingungen für Farmarbeiter*innen sowie Transport- und Handelswege spielen oft keine oder nur eine sehr geringe Rolle.


Werden die Kriterien eines Bio- oder Fairtrade-Labels von den Produzierenden erfüllt, sind diese jedoch noch nicht berechtigt, ihren Kaffee mit dem jeweiligen Label zu verkaufen. Denn dafür fallen regelmässig hohe Kosten an, die sich die Betreiber*innen der Farmen oft nicht leisten können. Können sie dies doch, so tun sie das in der Regel auch mit der Erwartung, ihre Kaffees teurer verkaufen zu können, um das investierte Geld wieder reinzuholen. Leider geht auch diese Rechnung aufgrund von schmutzigen Deals und Mischverkäufen (Stichwörter «combos» und «confidentiales») oft nicht auf.

Um den Kaffee schliesslich auch als Fairtrade- oder Bio-Produkt verkaufen zu dürfen, muss zusätzlich zu den Produzierenden auch die Rösterei zertifiziert sein – und dafür ebenfalls Gebühren bezahlen. Natürlich werden diese Kosten in der Preisgestaltung auch an die Konsument*innen weiterverrechnet: der Kaffee wird teurer – aber nicht zwingend besser.


Direct Trade

In den letzten Jahren immer mehr aufgekommen ist die Bezeichnung «Direct Trade». Es handelt sich dabei nicht um ein geschütztes Label wie Fairtrade. Grundsätzlich kann das jede Rösterei auf ihre Beutel drucken und für sich selbst definieren, was das bedeutet. Das Wording suggeriert, dass der Kaffee über einen absolut direkten Handelsweg, also direkt bei den Produzierenden, gekauft wurde. Da erwartet man als Kund*in dann nicht selten, dass auch die gesamte Abwicklung des Verkaufs und Transports durch die Rösterei abgewickelt wurde. In Wirklichkeit ist das in den meisten Fällen nicht ganz so. Zwischen Produzent*in und Rösterei stehen oft noch eine Farmer-Kooperative, ein Exportunternehmen, mehrere Lagerhäuser und mehrere Transportunternehmen sowie ein Unternehmen für Grünkaffee-Handel, welches den Kaffee schliesslich auch importiert. Und das ist grundsätzlich auch gut so, denn als Rösterei ist man in aller Regel nicht in der Lage, all diese Schritte selbst auszuführen, noch hat man das dafür benötigte Expertenwissen.


Oft werden Kaffees, die über diesen Weg eingekauft werden trotzdem mit dem Begriff Direct Trade geschmückt. Als Hauptkriterium wird dafür nicht selten ausgemacht, dass man im direkten Kontakt zu den Produzierenden steht (oder auch nur ihre Kontaktangaben hat und sie theoretisch kontaktieren könnte), oder dass man die Preise kennt, welche die Produzierenden für ihren Kaffee erhalten haben. Beides sind Ansätze, die für uns absolut Sinn ergeben, doch unserer Ansicht nach gibt der Begriff Direct Trade Uneingeweihten ein verzerrtes Bild davon ab, wie der Kaffee wirklich zur Rösterei gelangt. Aus diesem Grund haben wir uns etwas von dieser Bezeichnung entfernt. Dennoch streben wir grundsätzlich direkte Handelswege an. Damit der Kaffee sicher von der Farm zu uns in die Rösterei gelangt, braucht es mehrere verschiedene Parteien, die ihren Teil dazu beitragen. Unnötige, zusätzliche Zwischenhändler vermeiden wir.


Das Wort «Beziehung» (zu den Produzierenden) ist im Bereich des Kaffees etwas abgenutzt bzw. vorbelastet. Bei der Vermarktung von Kaffee wird mit dem Wort oft suggeriert, dass es sich beim Kauf von Kaffee um Beziehungen auf Augenhöhe handelt. Leider ist der Kaffeehandel nach wie vor sehr kolonialistisch geprägt, womit Käufer*in von Kaffees eine Machtposition gegenüber den Produzierenden innehaben, die oft keine Chance haben, selbst einen Preis für ihr Produkt zu setzen. Wir setzen alles daran, diese Machtposition nicht auszunutzen und verhandeln Preise nicht, sondern akzeptieren die von den Produzierenden gesetzten Preise, wenn wir einen Kaffee kaufen wollen. Die Handels-Beziehungen zu den Produzierenden, die wir anstreben, sind langfristig: Wir kaufen, wenn immer sinnvoll möglich, Jahr für Jahr von denselben Produzent*innen.


Transparenz

Transparenz ist für uns zentral. Und das in jeglichen Bereichen der Wertschöpfungskette: Seien es die Arbeitsbedingungen auf einer Farm, Preise und Kosten, die Menge und Art von eingesetzten Pestiziden und Fungiziden beim Anbau, Wassermanagement auf der Farm, oder die Verarbeitung des Kaffees. Wir wollen wissen, unter welchen Umständen der Kaffee, den wir trinken und verkaufen, hergestellt wird. Zugleich möchten wir als Unternehmen transparent sein und Informationen über unsere Produktion, Prozesse und tatsächlich gelebten Werte offen weitergeben.


Nicht nur im Zusammenhang mit dem Kaffeehandel sondern in der Wirtschaft allgemein wird überall mehr und mehr Transparenz gefordert. Informationen, die etwa von der Konkurrenz ferngehalten werden können, sind oft wertvoll und werden deshalb nicht allen zugänglich gemacht.

Der Umgang mit sensitiven Informationen ist ein komplexes Thema unserer Zeit. Grundsätzlich stellen wir aber eine Entwicklung fest, die in Richtung von mehr Transparenz geht, und das ist gut so. Unserer Ansicht nach braucht es aber noch viel mehr Transparenz, damit sich Dinge positiv verändern. Ja, in gewissen Umständen ist es wichtig, Informationen zu schützen, doch genau so wichtig ist es in anderen Situationen, dass Informationen nicht geheim gehalten werden. Konsument*innen achten vermehrt auf die Herkunft von Produkten. Sie steuern mit ihrem Kaufverhalten bis zu einem gewissen Grad den Markt und die Handelsketten. Doch ist eine Information, zum Beispiel über den Kilopreis, den eine Farm für ihren Kaffee erhält, bei keinem der angebotenen Produkte verfügbar, sind die Konsument*innen folglich nicht in der Lage, den Markt in ausreichendem Masse zu steuern. Hier sind alle Beteiligten in der Handelskette gefordert.


Nur wer hinschaut und Transparenz einfordert, sieht, wo Missstände vorhanden sind. Transparenz alleine reicht natürlich nicht aus, sondern dient nur als Werkzeug bzw. als Voraussetzung und Motivation, um Dinge richtig zu machen. Wichtig ist schliesslich die Interpretation der eingesehenen Informationen. Es geht auch darum, einzuschätzen, ob die Informationen plausibel und korrekt sind. Technologie, wie zum Beispiel Blockchain, wird in Zukunft dazu beitragen, Produkte über die gesamte Wertschöpfungskette rückverfolgbar zu machen. Einheitliche Standards könnten geschaffen werden, die Gesetzgebung könnte mehr Transparenz einfordern und mit entsprechenden Kontrollen auch durchsetzen.


Wir als kleine Rösterei versuchen, möglichst viel über die Kaffees, die wir einkaufen, in Erfahrung zu bringen und die erhaltenen Informationen auch zu prüfen, verarbeiten, analysieren und einen Nutzen daraus zu ziehen. Wir versuchen damit, unseren Beitrag zu einer transparenteren Supply Chain zu leisten. Stellen wir etwas fest, das nicht unseren Vorstellungen entspricht, sprechen wir Produzent*innen und/oder Handelspartner*innen darauf an oder brechen als letzten Ausweg die Handelsbeziehung ab. Weiter stellen wir für den Specialty Coffee Transaction Guide seit 2021 die Eckdaten unserer Kaffee-Verträgen zur Verfügung. Das Projekt analysiert zehntausende Verträge zum Kauf von Specialty Coffee von grossen sowie kleinen Unternehmen – Röstereien, Kooperativen in Anbauländern und Unternehmen im Import, Export und Handel von Grünkaffee – und erstellt darauf einen jährlichen Report, der als Guide im Einkauf und der Preissetzung von Grünkaffee dienen soll.

In den kommenden Jahren wird Transparenz in Supply Chains aufgrund der aktuellen klima- und wirtschaftspolitischen Situation sicherlich ein noch wichtigeres Thema werden.


Kontakt zu Produzierenden

Wir suchen immer den direkten Kontakt zu den Produzierenden. Dies hilft uns, mehr über die Kaffees zu lernen, die wir kaufen, und mehr über die Menschen, die dahinter stecken. Wie wir immer wieder aus Rückmeldungen erfahren, ist dieser Austausch auch für viele Produzierenden hilfreich und interessant. Wir stellen Fragen, beantworten aber selbstverständlich auch alle Fragen der Produzierenden, sofern uns das möglich ist. Diese erfahren von uns wiederum aus erster Hand, was uns an ihren Kaffees besonders gefällt oder was wir und unsere Kund*innen uns von ihren Kaffee erhoffen. Damit können sie allenfalls auch Verbesserungen und Optimierungen für die Zukunft vornehmen oder Experimente durchführen, wenn sie das wollen. Die Verarbeitung und Trocknung des Kaffees kann ohne Umwege besprochen werden. Auch Fotos aus unserem Café, von der Rösterei oder von unseren Kaffeebeuteln interessieren die Produzierenden oft, da sie das Endprodukt ihrer Arbeit gar nicht so oft zu sehen bekommen. Einige von ihnen rösten auch selbst Kaffee für den Eigengebrauch oder den Verkauf vor Ort, weshalb ein Austausch über die Röstung ebenfalls von Interesse sein kann.


Unsere Absicht ist es, alle Produzierenden, von denen wir regelmässig Kaffee kaufen, alle paar Jahre selbst zu besuchen. Es macht für uns in keiner Hinsicht (ökologisch, finanziell, zeit-technisch) Sinn, jedes Jahr zu jeder Farm zu reisen. Mit den technologischen Hilfsmittel, die uns heute zur Verfügung stehen, ist es fast immer möglich, selbst Produzent*innen in abgelegenen Gegenden auf die ein oder andere Weise für ein Gespräch zu erreichen. Dennoch ergibt ein Besuch alle paar Jahre Sinn, um die Menschen auch hin und wieder persönlich zu treffen sowie Veränderungen auf den Farmen mit eigenen Augen zu sehen.


Darüber hinaus setzen wir auf spezialisierte und erfahrene Unternehmen im Bereich des Imports von Specialty Coffee, die ihrerseits einen direkten Draht zu den Produzierenden haben. Meistens sind diese mehr in den Anbauländern anwesend, als wir selbst, da sie teilweise auch Forschungsprojekte oder Beratungs- und Weiterbildungs-Angebote vor Ort führen. Da sich einige von ihnen zudem auf den Import von Kaffee aus einem einzigen Land beschränken, pflegen sie eine umso engere Zusammenarbeit mit den Produzierenden.


Der Handel von Kaffee ist eine komplexe Angelegenheit. Wir sind optimistisch, dass wir mit unserem Modell Fortschritte in verschiedenen Bereichen erzielen können. Das Modell wird fortlaufend auf seine Wirksamkeit geprüft und weiterentwickelt. Mit der ausgewiesenen Preis-Transparenz erhoffen wir uns, den Konsument*innen eine wertvolle Einsicht zu geben. Diese soll schliesslich dazu beitragen, dass die Arbeit von allen Beteiligten über die gesamte Wertschöpfungskette geschätzt und gerecht entlöhnt wird.